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rab, 28.02.2010

SML: Webers später Schuss ins Glück

Nach einem Solo übers ganze Feld schiesst Verteidiger Thomas Weber den HC Rychenberg in der Verlängerung der sechsten Partie gegen die Grasshoppers ins Halbfinal.
Winterthur – Es lief die dritte Minute der Verlängerung, als Rychenbergs Thomas Weber ein Zuspiel des Tschechen Aleš Jakubek «las», drei schnelle Schritte nach vorne tat und so den Ball abfing, anschliessend übers ganze Spielfeld preschte und mit einem satten Schuss um den Block eines Verteidigers herum von halb links präzis zum 4:3 in die nahe hohe Ecke traf. Mit diesem «Golden Goal» entschied der routinierte Verteidiger die sechste Partie der Viertelfinalserie gegen die Grasshoppers. Und weil es bereits der vierte Sieg des HC Rychenbergs in der Best of 7-Serie war, war Webers Treffer gleichzeitig auch noch die Eintrittskarte fürs Playoff-Halbfinal.


Thomas Webers Tor in der 63. Minute entschied Spiel und Serie (Bild: UHC Uster)

Zu Beginn hatte nichts darauf hingedeutet, dass es ein bis zum Schluss enges und spannendes Spiel werden würde. Der HC Rychenberg präsentierte sich gefestigt, kontrollierte das Spiel und den Gegner aus seiner soliden Defensive heraus sicher und verstand es darüber hinaus auch einige Male, sich durch die dichten Abwehrreihen der Hoppers zu spielen. Thomas Wolfers 1:0 in der 13. Minute, dessen Ursprung Marc Schadeggs Balleroberung tief in des Gegners Platzhälfte war, war nichts als logisch. Der Vorsprung hätte auch höher ausfallen können, doch liessen unter anderem Schadegg (4.), Wolfer (5.) und - nach einem tollen Solo - Jonas Thomsson (17.) beste Chancen ungenutzt.
Wenig zu sehen war im Startdrittel von den Hoppers gewesen. Sie waren zwar öfter und länger in Ballbesitz, doch schoben sie sich den Ball meist in der eigenen Verteidigung hin und her, im Bemühen, möglichst keine Fehler zu begehen. Weil sich der HC Rychenberg durch diese langfädigen «Angriffe» nicht aus der Ruhe und dem Konzept bringen liess, resultierte für GC im ersten Abschnitt einzig eine erwähnenswerte Chance: Ein schneller Gegenstoss in der neunten Minute, den die Winterthurer erst im letzten Moment unschädlich machen konnten.
Das Geschehen änderte sich nach der ersten Pause grundlegend. Die Hoppers wurden aktiver, versuchten mit einem Forechecking Unruhe zu stiften und wurden schon nach vier Minuten mit dem 1:1 belohnt. So schön der Ausgleich auch herausgespielt war, er schmeichelte den Stadtzürchern. Allerdings verdienten sie ihn sich nachträglich. Verunsichert durch den Ausgleich verloren die Winterthurer die defensive Geduld und Contenance, gerieten vorübergehend ins Schwimmen und hatten einige bange Momente zu überstehen. Torhüter Edi-Marc Schütz war dabei wiederholt eine wertvolle Stütze. Erst ab der 33. Minute fanden sie den Tritt wieder und vermochten das Spielgeschehen und das Chancenverhältnis wieder auszugleichen.
Der nächste Wendepunkt der Partie folgte in der 37. Minute: Simon Eichmann brachte den HC Rychenberg in Überzahl mit einem Schuss aus nächster Distanz wieder 2:1 in Führung, nachdem er die GC-Box zusammen mit Weber immer enger zusammengedrängt hatte. Und kam für den HC Rychenberg noch besser: Als kurz vor der Pause eine Strafe gegen ihn angezeigt war, lief GC-Goalie Beat Bruderer bereits aus seinem Tor, ehe sein Team den Ball kontrollierte. Nico Scalvinonis «Rückpass» landete darum zum 3:1 im Gehäuse.
Nachdem die Winterthurer die Unterzahl problemlos überstanden hatten, schien sich ihr Sieg abzuzeichnen. Thomas Grüters (haltbares) Anschlusstor brachte die Spannung aber nochmals zurück. GC öffnete in der Folge etwas, was dem HC Rychenberg genügend Chancen zur (Vor-) Entscheidung eröffnete. Die besten besassen Thomsson und zwei Mal Joel Friolet, doch vergaben beide alleine vor Bruderer. Auf der Gegenseite traf Alexander Bodén bei einem Weitschuss nur die Oberkante der Latte.


Jonas Thomsson (links) und Joel Friolet besassen Chancen zum 4:2

In den letzten vier Minuten setzte GC alles auf eine Karte und ersetzt eineinhalb Minuten vor Schluss auch noch den Torhüter durch einen zusätzlichen Feldspieler. Mit Erfolg. Scalvinoni, der kurz zuvor mit seinem überharten Einsteigen Rychenbergs Spielertrainer Radim Cepek verletzt und ausser Gefecht gesetzt hatte, rettete seine Mannschaft 19 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit mit einem abgefälschten Weitschuss in die Verlängerung.
In dieser ging es gleich munter los. Nach nur fünfzig Sekunden tauchte Wolfer allein vorm Tor auf, sah seinen Schuss aber am Innenpfosten abprallen. Im Gegenzug tauchte Christoph Meier alleine vor Schütz auf, der Goalie blieb aber Sieger. Keine Minute später hatte Weber die dritte Chance und erlöste mit seinem 4:3 die meisten der 718 Zuschauer. Für den Siegschützen waren es die profanen Mittel, mit denen der HC Rychenberg das Spiel und auch die Serie für sich entschied: «Schon beim 6:4 im fünften Spiel waren wir zu unseren Stärken zurückgekehrt, die da sind: Sauber in der Defensive arbeiten, kämpfen, blocken und einfache Tore erzielen.»


Am Ende konnte Spielertrainer Radim Cepek trotz Schmerzen wieder lachen

Auch wenn die Viertelfinalspiele mit einer Ausnahme stets eng waren, hält Weber die Halbfinalqualifikation seiner Mannschaft für verdient: «Wir haben uns den Erfolg erkämpft, spielerisch und auch mental. Jetzt bin ich einfach stolz und glücklich darüber, was wir erreicht haben.» Verdient war der Erfolg darum, weil der HC Rychenberg über die ganzen 378 Minuten betrachtet die um eine Nuance bessere Mannschaft stellte. Verdient aber auch, weil er im Gegensatz zu GC namhafte Absenzen zu beklagen hatte und diese Unbill als Kollektiv meisterte.

Nächster Gegner wird Chur Unihockey sein, jener Verein also, bei dem Weber vor seinem Engagement beim HC Rychenberg gespielt hatte. Das erste Spiel wird am Mittwoch, dem 10. März abends um 20 Uhr in der Eulachhalle 2 stattfinden.


HC Rychenberg Winterthur - Grasshopper-Club Zürich 4:3 n. Vrl.
(1:0, 2:1, 0:2, 1:0) - Stand (Best of 7) 4:2.
Eulachhalle 2, Winterthur
Schiedsrichter: Thomas Baumgartner/Thomas Kläsi
718 Zuschauer
Rychenberg: Edi-Marc Schütz; Thomas Weber, Marc Huber; Jonas Thomsson, Dominik Heller; Tobias Kast, Roger Moschen; Pirmin Koller, Radim Cepek, Cornel Koller; Thomas Wolfer, Simon Eichmann, Marc Schadegg; Felix Buff, Joel Friolet, Lukas Grunder.
Grasshoppers: Beat Bruderer; Aleš Jakubek, Pascal Helfenstein; André Hostettler, Patrik Lundström; Linard Parli, Markus Sutter (41. Thomas Grüter), Alexander Bodén; Christoph Meier (52. Sutter), Lukas Allamand, Nico Scalvinoni.
Tore: 13. Wolfer (Schadegg) 1:0. 25. Helfenstein (Parli) 1:1. 37. Eichmann (Weber; Ausschluss Sutter) 2:1. 40. Eigentor (ins leere Tor; Strafe gegen Rychenberg angezeigt) 3:1. 44. Grüter (Bodén) 3:2. 60. (59:41) Scalvinoni (Lundström; GC ohne Torhüter) 3:3. 63. (62:08) Weber 4:3.
Strafen: 1x2 Minuten gegen Rychenberg (40. Thomsson), 3x2 Minuten gegen GC (30. Allamand, 37. Sutter, 49. Hostettler).
Bemerkungen: Rychenberg ohne Jonas Grunder, Vojtech Skalík (verletzt), Niklaus Gassmann, Pascal Hauri, Moritz Schaub (Ersatz), Pascal Locher und Michael Schmied. Rychenberg anfangs mit zwei, ab der 30. Minute zuweilen mit drei Linien. GC während des ganzen Spiels mit zwei Linien. 48. Lattenschuss Bodén. 56. Cepek mit Verdacht auf eine Schulterverletzung ausgeschieden. 58. Timeout GC. GC von 58:35 bis 59:41 mehrheitlich mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle des Torhüters. Schadegg und Helfenstein als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.
Resultate der Playoff-Viertelfinals, 6. Runde: HC Rychenberg Winterthur (6.) - Grasshopper-Club Zürich (2.) 4:3 n. Vrl. (Stand: 4:2). Chur Unihockey (7.) - UHC Alligator Malans (3.) 6:5 n. Vrl. Malans - Chur 4:5 (Stand: 3:4). Unihockey Tigers Langnau (8.) - Floorball Köniz (4.) 8:4. (Stand: 4:2). - Rychenberg, Chur und Langnau stehen als Halbfinalisten fest. Dort wird Rychenberg auf Chur treffen, während der andere Halbfinal eine Berner Angelegenheit zwischen Titelverteidiger SV Wiler-Ersigen und Langnau sein wird.

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