Zwei Siege nach dem dreimonatigen coronabedingten Unterbruch der Meisterschaft können für den HC Rychenberg als schöner Erfolg verbucht werden. Erst recht weil er nicht eben als Schnellstarter bekannt ist und er nun auf einen der fürs Ende der Qualifikation angestrebten ersten sechs Plätze vorgerückt ist. Doch gibt es ein grosses Aber: Die gewonnenen fünf Punkte haben den schalen Beigeschmack, dass der eine am Samstag verlorene nicht hätte sein müssen. Zum einen weil die Winterthurer gegen Langnau ein schwaches Mitteldrittel einzogen und so den zuvor verdientermassen herausgespielten Dreitorevorsprung wieder aus der Hand gaben. Zum anderen weil der letzte Ausgleich der Emmentaler, zum 7:7, just mit der Schlusssirene zusammenfiel und darum erst eine Verlängerung nötig wurde.
Tags darauf gegen Sarnen war die Gefahr eines Punktverlustes zu keinem Zeitpunkt gegeben, denn der HCR begann erneut überzeugend, was sich in einer klaren 4:0-Führung niederschlug. Im Laufe des Mitteldrittels wurden die Anstrengungen zwar etwas fahrig und zuweilen übereilt bis konfus. Anders als am Vortag war diesmal das Beckchecking aber aufmerksam genug, um kaum etwas Nennenswertes zuzulassen und nie um die drei Punkte fürchten zu müssen. Sarnen besass letztlich auch nicht die nötige individuelle Klasse, um den Leistungsabbau zu bestrafen.
Sekundenbruchteile fehlen zum Dreier
Gegen Langnau startete der HCR fast schon so, als hätte es die lange Pause nicht gegeben. Nach einem zurückhaltenden Beginn sah das ab der fünften Minute so aus: In der Verteidigung liessen die Winterthurer so gut wie nichts zu und im Angriff wussten sie vor allem mit ihren – während dem Saisonunterbruch gezielt eingeübten – schnell vorgetragenen Gegenstössen für viel Torgefahr zu sorgen. Die 3:0-Führung zum ersten Tee war daher hochverdient und hätte angesichts etlicher weiterer guter Chancen und zweier Stangentreffer noch deutlicher ausfallen können.
Dass der Unterbruch am Heimteam doch nicht spurlos vorübergegangen war, wurde zu Beginn des Mitteldrittels evident. Die Gäste wurden in den Zweikämpfen bissiger und kehrten zu ihrem direkten, von vielen Abschlüssen geprägten Spiel zurück. Diese Änderungen machten dem im Startdrittel so spielfreudigen und gedanklich vifen HCR zu schaffen. Es fehlte ihm nach der Pause noch das Selbstverständnis, um gelassen und kompakt darauf zu reagieren. Kam hinzu, dass Langnau nur gut zwei Minuten benötigte um auf ein Tor heranzukommen.
In den folgenden Minuten mussten die Winterthurer leiden. Langnau drückte auf den Ausgleich und erreichte diesen in der 31. Minute. Doch statt daran zu zerbrechen, fand der HCR kurz darauf Mittel und Wege, um wieder Oberwasser zu erlangen. Das Team von Philipp Krebs kämpfte sich ins Spiel zurück und generierte in der Folge ausreichend viele Abschlussmöglichkeiten, um die Partie in der regulären Spielzeit für sich zu entscheiden. Weil aber das Backchecking nicht richtig zum Laufen kam, konnte Langnau immer wieder ausgleichen. Ein letztes Mal in der allerletzten Sekunde, wodurch eine Verlängerung nötig wurde. In dieser sicherte Pascal Kern seinem Team nach 71 Sekunden mit einem fulminanten Hocheckschuss den Bonuspunkt.
Sarnen von A bis Z überlegen
Eine Doppelrunde nach einer mehrmonatigen Pause ist eine grosse Herausforderung. Dementsprechend schien der HCR gegen Sarnen auf eine frühe Entscheidung aus zu sein, um anschliessend etwas Gas wegnehmen zu können. Dieses Unterfangen gelang sehr gut. Die Innerschweizer traten zwar aktiver auf als gewohnt, davon irritieren liessen sich die Winterthurer aber nicht. Vielmehr wussten sie die dadurch vorhandenen Räume in des Gegners Platzhälfte weidlich auszunutzen und bis zur ersten Pause – noch zu knapp – mit 4:0 in Führung zu gehen. Angesichts der neun Tore, die Sarnen zuvor in sechs Runden bloss erzielt hatte, war dies mehr als die halbe Miete.
Die Innerschweizer versuchten sich ab dem Mitteldrittel mit ihrer gewohnten passiveren Spielweise und hatten dadurch in der Verteidigung besseren Zugriff. Offensiv fanden sie jedoch weiterhin fast nicht statt. Zum einen lag dies daran, dass der HCR nun erst recht grösstenteils in Ballbesitz war, und zum anderen, dass er im Backchecking wesentlich aufmerksamer agierte als am Vortag und so nahezu alle Konterversuche der Gäste frühzeitig beenden konnten. NLA-Debütant Luca Locher, der diesmal gegenüber Nicolas Schüpbach den Vorzug im Tor erhalten hatte, verbrachte einen ruhigen Abend, war aber zur Stelle, wenn es ihn doch einmal brauchte.
Dies kam darum sporadisch vor, weil der HCR wie am Vortag ab dem Mitteldrittel an Geduld und Präzision verlor. Er wurde zuweilen fahrig und unüberlegt, sodass es kurze Phasen gab, in denen der Zugriff auf das Spiel ohne Not verloren ging und das Geschehen hektisch wurde. In anderen Momenten wiederum agierte der HCR zu verspielt, was die eine oder andere Grosschance zunichte machte. Für Krebs war dies nur eine Randerscheinung: «Wir waren mit dem Anspruch in die Partie gestiegen, dass es von A bis Z keinen Zweifel gibt, dass wir das Match gewinnen. Und dies gelang uns. Unser Auftritt war sehr seriös, kein Feuerwerk, aber zu Null. Und natürlich hätten wir noch mehr Tore erzielen können. Cool war das Debüt von Locher und dass wir mit einer anderen dritten Linie in einem anderen System spielten und dies hat gut klappte.»
Anders als gegen Langnau war, dass das Team von Philipp Krebs diesmal in der Lage war, sich Torchancen herauszuspielen, wenn es sich in der gegnerischen Hälfte festgesetzt hatte. Anders als am Vortag verstanden es die Winterthurer aber auch, die Aufmerksamkeit so weit zu behalten, dass sie kaum Konterchancen zuliessen. Gleich blieb hingegen, dass Assistenztrainer Kari Koskelainen noch an einigen Stellen zu schrauben hat, um das Überzahlspiel schlagkräftig zu machen, was Krebs bestätigt. Am kommenden Wochenende könnten die «Special Teams» gegen Waldkirch und Köniz relevant werden.
Matchtelegramm vs. Tigers Langnau
Matchtelegramm vs. Ad Astra Sarnen




