Als sich der HC Rychenberg vor knapp zwei Wochen in Chur anschickte, seinen sechsten Platz in der letzten Qualifikationsrunde zu verteidigen, waren die Anspannung und der Druck mit Händen zu greifen. Die Winterthurer konnten am Ende der sechzig Minuten jubeln, da sie zuerst trotz einiger Widrigkeiten die Geduld bewahrten und die Entscheidung anschliessend mit gesteigerter Durchschlagskraft herbeiführten. Mit diesem fünften Sieg im sechsten Match seit der Wiederaufnahme des Meisterschaftsbetriebes anfangs Januar machten sie nicht nur den missratenen Saisonstart mit den drei Niederlagen vergessen, sondern bescherten sich auch frühzeitig die verdiente Playoffteilnahme.
Eine Steigerung auf mancherlei Ebene
Die Gründe dieser Erfolgsgeschichte sind mannigfaltig. Als erster ist zu erwähnen, dass es der Trainercrew und der Mannschaft gelang, die bestmögliche Antwort auf den nicht kompensierten herben Verlust des finnischen Topskorers Jami Manninen zu geben. Spieler wie Daniel Keller, Ryan Neubauer, Jonas Lutz, Kimmo Oesch und Yannic Fitzi sprangen in die entstandene Bresche, erhielten mehr Spielzeit, übernahmen Verantwortung und traten vermehrt ins Rampenlicht. Der HCR gewann dadurch in der Offensive an Tiefe und war darum selbst dann schwerlich zu bezwingen, wenn die Leistungsträger einen schwächeren Tag einzogen.
Parallel dazu vollbrachte es die Trainercrew um Philipp Krebs, den dreimonatigen Unterbruch der Meisterschaft dazu zu nutzen, das Angriffsspiel zu diversifizieren und so einen nächsten wichtigen Schritt hin zu einer Mannschaft zu machen, die vielseitiger auf neue Konstellationen oder Rückstände zu reagieren vermag. Neben das Angriffsspiel mit einem geordneten und geduldigen Aufbau wurde eine Struktur fürs schnelle Umschalten gestellt. In den sechs Partien seit dem Restart hat sich dieses Konterspiel mehrmals als schnittige Waffe erwiesen. In der bevorstehenden Masterround wird sich zeigen, ob dieses und die hinzugewonnene Breite im Kader auch gegen die anderen Top 6-Mannschaften gewinnbringende Faktoren darstellen werden.
Last but not least verfügt der HCR auch über einen leistungsfördernden Teamgeist. Alle Spieler ziehen am gleichen Strang, auch jene, welche zwar gut trainieren, wie Krebs mehrfach betont, aber zuletzt nicht allzu oft zum Einsatz gelangten. Gut zu erkennen war das funktionierende Kollektiv in Chur, wo die Ersatzspieler viel Energie von der Bank aufs Spielfeld trugen und sich auf diesem Weg als Puzzleteil des Erfolgs herauskristallisierten.
Krebs freut sich an der Entwicklung seiner Mannschaft: «Wir sind uns im Klaren, dass es nur eine Hinrunde war, aber es ist das erste Jahr, dass wir gegen alle Teams hinter uns gewannen und dabei über weite Strecken spielbestimmend waren. Wir setzten uns nicht immer souverän durch. So unterlief uns zum Beispiel gegen Langnau der eine oder andere Fehler. In jenem Spiel spielten wir nicht unbedingt gut, aber wir bestimmten das Geschehen trotzdem. Wir sind noch längst nicht am Ende unserer Reise, aber wir gewannen dominanter als letztes Jahr gegen die Mannschaften hinter uns.» Sportchef Nico Scalvinoni stellt den Beteiligten ein gutes Zeugnis aus: «Die Coronapause tat uns allem Anschein nach sehr gut. Wir nutzten sie sehr gut und mit den vier Siegen ab dem Restart legten wir den Grundstein für die Teilnahme an der Masterround.»
Sowohl Masterround als auch Playoffs im Blick
Für den HCR wird die Zwischenrunde am Samstag mit einem Heimspiel gegen Wiler-Ersigen (ab 18 Uhr in der Axa-Arena) beginnen, ehe tags darauf ein Auswärtsspiel in Zug folgen wird. Die Vorbereitung auf diese beiden Partien beinhaltete ein kurzes Innehalten. Sechs Partien binnen dreier Wochen, inklusive der Vorbereitung darauf, waren ein äusserst intensives und anstrengendes, von grossem Druck begleitetes Programm gewesen; angesichts der aufzuholenden Punkte gerade auch mental. Deshalb schaltete Krebs im Training für eine Woche einen Gang zurück: «Wir brauchten einfach eine kurze Verschnaufpause. Diese führt vielleicht dazu, dass die Qualität für ein, zwei Wochen etwas geringer sein wird. Wir nehmen dies aber billigend in Kauf, um danach wieder mit vollen Batterien herauffahren zu können.»
An den Zielen für die fünf Spielen der Masterround ändert dies nichts. Zum einen gilt es, sich möglichst gut für die Playoffs vorzubereiten. Zum anderen gäben sie nicht damit zufrieden, Sechster zu sein: «In der Qualifikation verloren wir gegen die uns nun bevorstehenden Gegner teilweise nur knapp», erklärt Krebs. «Da haben wir schon den Ehrgeiz, nochmals einen Schritt vorwärts machen und in der Masterround ein, zwei, drei, vier oder fünf Siege erreichen zu können. Parallel dazu wollen wir an unserem Spiel arbeiten, damit wir für die anschliessenden Playoffs bereit sein werden.»
Voraussetzung für beides ist, dass die bisherigen Fortschritte bestätigt und möglichst ausgedehnt und gleichzeitig die noch bestehenden Mängel aus dem Weg geräumt werden können. Vor allem das Powerplay bereitete in der Qualifikation einiges an Kopfzerbrechen, und auch das Prunkstück der letzten Saison, die Aggressivität, Kompaktheit und Stabilität der Defensive, verdient erhöhte Aufmerksamkeit. Ebenso sollten die Konstanz in der Treffsicherheit sowie die Resilienz in Druckphasen des Gegners noch weiter verbessert werden.
Scalvinoni sieht die Fallstricke, ist aber sicher, dass sich das Team auf dem richtigen Weg befindet: «Die Tücke der Masterround besteht darin, dass man, im dümmsten Fall, mit fünf Niederlagen in die Playoffs startet. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich unser Team von Spiel zu Spiel steigern wird. Für die Leistungskurve ist es von grosser Bedeutung, dass wir gegen die Topteams der Liga antreten können und jedes Mal an unsere Grenzen gehen müssen.» Am Wochenende wird es die ersten Antworten geben.




