Der HC Rychenberg gewinnt in der erneut ausverkauften Axa-Arena wiederum dramatisch. Im vierten Playoff-Halbfinal bezwangen die Winterthurer den Rekordmeister Wiler-Ersigen dank einem Tor in der Schlussminute mit 4:3 und stellten die Serie auf 3:1. Ein Sieg fehlt für das Finale.
Tatsächlich liefert der HC Rychenberg in den aktuellen Playoffs vorzugsweise Drama pur. Bereits in den Viertelfinals gegen die Tigers Langnau gingen zwei Spiele in die Verlängerung. Wie es sich gehört mit einem filmreifen Happy-End. Und wie es in Hollywood bei erfolgreichen Blockbustern üblich, bringt man dann gerne eine Fortsetzung. Beim HCR scheinen es aktuell Remakes der erfolgreichen „Stirb langsam“-Filmreihe zu geben. Wobei sich das stirb langsam vor allem auf die gegnerischen Teams in der Verlängerung zu beziehen scheint. Denn auch beim Erfolg am Sonntag entschied der Treffer des neuen "HCR-Bruce Willis", Levin Conrad, die vierte Halbfinal-Playoff-Partie in der allerletzten Minute.
Das Weekend hatte am Samstag mit dem dritten Match auswärts in Kirchberg begonnen. Mit einer 2:0-Serienführung angereist, versuchte der HCR auf fremden Terrain den ersten Matchball zu erspielen. Was lange Zeit und nach mehrfacher Mehrtoreführung vielversprechend aussah, endete schliesslich mit einer knappen 5:7-Niederlage der Winterthurer und damit dem ersten Matchverlust in der aktuellen Playoff-Kampagne. Doch gross grämen mussten sich die Gelben darüber nicht. Denn einmal mehr hatten sie dem Qualifikationssieger gezeigt, dass ein Fight auf Augenhöhe jederzeit drin liegt, und wer die Freude der Berner und ihres Anhangs ob ihrem Erfolg gesehen hatte, wusste wieviel dieser Erfolg den erfolgsverwöhnten „Halbfinalmonstern“ bedeutete. Was aber dem HCR aufzeigte, wie wenig selbstverständlich für Wiler ein solcher Sieg gegen sie unterdessen geworden ist.
Beim Heimspiel anderntags in der erneut proppenvollen, ausverkauften Axa-Arena stellte der aufmerksame Beobachter dann fest, dass beim HCR gleich sechs Spieler im U21-Alter auf dem Matchblatt standen und diese auch sogleich alle zum Einsatz kamen. Insofern erwähnenswert, weil andere Playoff-Halbfinalisten auch sechs spezielle Spieler, dann allerdings hoch bezahlte skandinavische Weltstar-Söldner im Angebot haben. Das Spiel war im ersten Drittel lange ausgeglichen, bis Wiler nach einem 0:1-Rückstand, in den letzten fünf Minuten vor Drittelsende, gleich drei Tore, teils mit markanter, unfreiwilliger HCR-Unterstützung, gelang. An diesem Rückstand hatte der HCR dann bis weit ins Mitteldrittel zu nagen, hier hätte das Spiel kippen können. Doch die Gelben fingen sich wieder, rappelten sich nach dem 2:3-Anschlusstreffer durch Levin Conrad auf Pass von Youngster Julian Egli - bereits am Vortag zweifacher Torschütze - wieder auf und gingen optimistisch ins Schlussdrittel.
Dort fiel dann nach einigen Minuten der Ausgleich. Das vorher sehr aktive Wiler, welches in den ausgeglichenen Phasen des Spiels immer wieder seine Klasse aufblitzen liess, verfiel nun allerdings plötzlich in eine Art Schockstarre. Auch wenn der Siegestreffer selbstverständlich jederzeit auf beiden Seiten hätte fallen können, wurde es offensichtlich, dass der SVWE in einen „wir wollen nicht verlieren“-Modus umschaltete. Nicht so der HCR: der wollte gewinnen und so kam es dadurch zum erwähnten, verdienten Höhepunkt. Stirb langsam, noch ganz schnell, 32 Sekunden bevor Filmende.
AXA Arena, Winterthur. 1950 Zuschauer. SR Fässler/Schläpfer.
Tore: 3. N. Mutter (T. Studer) 1:0. 16. Y. Wyss (L. Persson) 1:1. 18. L. Persson (A. Galante Carlström) 1:2. 20. M. Louis (N. Siegenthaler) 1:3. 34. L. Conrad (J. Egli) 2:3. 46. C. Mutter (O. Weissbach) 3:3. 60. L. Conrad (M. Wöcke) 4:3.
Strafen: 1mal 2 Minuten gegen HC Rychenberg Winterthur. 1mal 2 Minuten gegen SV Wiler-Ersigen.
Playoff-Halbfinale - Spiel 5:
Mittwoch, 15. April 2026, 20.00 Uhr
Sporthalle Grossmatt, Kirchberg BE