Mit drei Niederlagen war der HC Rychenberg in die Saison gestartet. Unterbrochen von einer dreimonatigen coronabedingten Pause hat das Team von Philipp Krebs seither sechs Siege in Folge aneinandergereiht, sich dabei 16 von 18 möglichen Punkten unter den Nagel gerissen und sich auf den fünften Platz hochgearbeitet. Einen Beweis für die gute Vorbereitung auf den vor einer Woche erfolgten Neustart lieferten die Winterthurer an diesem Wochenende. Am Samstag gewannen sie beim direkten Konkurrenten Waldkirch-St. Gallen verdientermassen mit 7:3 und am Sonntag setzten sie sich gegen die Spitzenmannschaft Köniz mit 7:6 nach Verlängerung durch.
Gemein hatten die beiden Erfolge, dass der HCR die Partien jeweils mit einem sehr überzeugenden Mitteldrittel in die gewünschte Richtung lenkte. Der Modus und die teils überraschenden Ergebnisse sorgen jedoch dafür, dass die avisierte Teilnahme an der Masterround mit dem zweiten erfolgreichen Wochenende seit dem Neustart noch nicht in trockenen Tüchern ist. Die Anzahl der Konkurrenten dürfte sich reduziert haben. Weitere Erfolgserlebnisse sind jedoch in der verbleibenden zwei Qualifikationsrunden vonnöten.
Im Mitteldrittel die Entscheidung herbeigeführt
In St. Gallen entwickelte sich in den ersten Minuten ein intensives, aber hochgradig nervöses Spiel. Das überraschte insofern nicht, als beide Teams gerne schnelle Gegenstösse fahren. Weil diese in der Anfangsphase jedoch in der Mehrzahl von Mängeln in der Ballannahme geprägt waren, versandeten erfolgsversprechende Aktionen wiederholt noch vor dem Abschluss. Es war dann Rychenbergs Captain Nils Conrad, der seinem Team vor Augen führte, dass Geduld und Risikooptimierung zielführender sind als wildes Hawaii-Unihockey. Dies beherzigend gewann der HCR nach rund zehn Minuten immer mehr die Oberhand, im ersten Abschnitt vorerst nur andeutungsweise, was aber doch in der 18. Minute mit Ryan Neubauer NLA-Torpremiere belohnt wurde, ab dem Mitteldrittel sehr überzeugend.
Diese kontinuierlich Steigerung bekam der Gastgeber zu spüren. Auf der einen Seite schirmte der HCR seine Zone ausgezeichnet ab und überzeugte mit seinem Backchecking. Auf der anderen Seite liess er sich auch vom situativ forschem Pressing des Gegners nicht ins Bockshorn jagen, sondern löste sich stattdessen kontrolliert, abgeklärt und couragiert aus der Umklammerung. Und war die erste gegnerische Linie erst einmal überwunden, besassen die Winterthurer oft das Tempo und gleichzeitig die Besonnenheit am Ball, um den sich bietenden Raum für gelungene Kombinationen zu nutzen. Michel Wöcke zweimal, Patrik Dóža und Neubauer münzten zwischen der 23. und 34. Minute vier der so erarbeiteten Chancen in Tore um. Dass der HCR dazwischen ein sehr unglücklich zustande gekommenes Eigentor und damit erstmals nach über 93 Minuten wieder einen Gegentreffer konzedieren musste, brachte ihn nicht vom eingeschlagenen Weg ab.
Im Schlussdrittel versuchte Waldkirch mit Spielerwechseln und taktischen Anpassungen nochmals alles, um den Viertorerückstand wettzumachen, doch hielt der HCR die Kontrolle über das Geschehen mit allen drei Linien weiterhin fest in seinen Händen. Einziger grundlegender Kritikpunkt am Auftritt der Winterthurer blieb, dass sie im Powerplay nach wie vor viel Luft nach oben haben. Seit dem Neustart der Meisterschaft waren sie noch nicht auf die Tore der Überzahlformation angewiesen, doch könnte sich dies in den kommenden Partien ändern.
Jonas Lutz mit vier Toren Matchwinner
Wie bereits tags zuvor benötigte der HCR auch gegen Köniz einige Zeit, um zu seinem Spiel zu finden. «Wir agierten mit dem Ball zu ungeduldig und zu wenig konkret», erklärte Krebs, «und liessen uns immer wieder in jene Zonen zwingen, in denen uns Köniz haben wollte.» Dadurch konnte sich sein Team nie festsetzen und es musste sich mehrheitlich um defensive Belange kümmern. Die Berner wussten jedoch mit ihrem gehäuften Ballbesitz genauso selten, die gegnerische Defensive aufzubrechen. Das 1:1 zur ersten Pause widerspiegelte die beiderseits geringe Anzahl verheissungsvoller Torchancen und ging daher in Ordnung.
Im ähnlichen Stil ging es vorerst im Mitteldrittel weiter. Erst kurz vor Spielmitte begann sich die Gemengelage sukzessive leicht zu ändern. Dem HCR gelang es von da an immer öfter, Bälle abzufangen, so öfter offensiv in Erscheinung zu treten und sich auch mal festzusetzen. «Wir liessen hinten wenig zu», lobte Krebs seine Spieler, «und kamen vorne ab dem zweiten Drittel zu unseren Chancen.» Die logische Konsequenz daraus war, dass der – kurz zuvor eingehandelte – Rückstand bis zur 38. Minute mehr als wettgemacht werden konnte und der HCR nicht unverdient mit 4:2 in Führung ging.
Dass Köniz kurz vor der zweiten Pause noch auf ein Tor herankam, war unnötig, irritierte das Heimteam jedoch nicht. Vielmehr erhöhte es bis zur 48. Minute auf 6:3 und schien auf bestem Weg zum Sieg. Erst recht weil dem Gast in der Folge wenig einfiel und der HCR sich auch weiterhin die besseren Chancen erspielte. Ein Könizer Doppelschlag aus heiterem Himmel brachte in der 53. Minute jedoch nochmals Spannung in die Partie. Und 63 Sekunden vor dem Schlusspfiff retteten sich die Berner noch in die Verlängerung. In dieser sorgte der vierfache Torschütze Jonas Lutz auf optimales Zuspiel Dóžas für die Entscheidung.
Aufgrund des Spielverlaufs muss der HCR von einem verlorenen Punkt sprechen. «Ein 6:3 nach 52 Minuten müssten wir nach Hause bringen», erklärt Krebs, «zumal wir die eine oder andere Möglichkeit besassen, um den Sack zuzumachen, als Köniz mehr riskieren musste.» Dennoch konnte er mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden sein, gerade auch in mentaler Hinsicht: Nach dem 1:2 und dem 6:6 «zeigten wir wieder eine tolle Mentalität. Und vor der Verlängerung war auf der Bank zu spüren, dass die Spieler diesen Sieg unbedingt wollten.» Eine Geisteshaltung, die auch in den kommenden Runden gefragt ist.




