Für Spannung war in der abschliessenden elften Qualifikationsrunde gesorgt. Gleich vier Team aspirierten noch mit mehr oder weniger guten Aussichten auf einen der zwei freien Plätze in der Masterround. Letztlich gab es in der Tabelle keine Veränderungen mehr. Zug und der HC Rychenberg verteidigten ihre Plätze in den Top 6 erfolgreich und können sich so darüber freuen, dass ihnen einerseits fünf Partien gegen die Besten bevorstehen und ihnen andererseits die angestrebte Teilnahme an den Playoffs nicht mehr zu nehmen ist.
Nach vier bitteren Niederlagen in Folge verstand es der HCR, sich gegen Chur erstmals seit dem Dezember 2017 durchzusetzen. Dieser eminent wichtige Sieg hatte seine Berechtigung, denn die Mannschaft von Philipp Krebs war fast während der ganzen sechzig Minuten aktiver als sein Gegner und diktierte über weite Strecken das Geschehen. Daraus resultierten ein Chancenplus, mangels Tagesform einiger Protagonisten aber lange Zeit keine Tore. Weil sich die Winterthurer gleichzeitig ein paar grobe Schnitzer im Aufbau leisteten, sahen sie sich nach 36 Minuten einem 1:3-Rückstand gegenüber. Dank einer Steigerung konnten sie daraus bis zur 55. Minute einen 7:3-Vorsprung machen und letztlich einen wohlverdienten Sieg feiern.
Zu wenig konkret und präzis im Angriff
In den ersten vierzig Minuten war es vor allem ein Geduldsspiel. Chur schien wenig Freude daran zu haben, den Ball in kontrolliertem Umfeld zu besitzen, sondern schien primär darauf aus zu sein, beim Gegner Ballverluste zu provozieren und mit schnellen Gegenstössen zum Torerfolg zu kommen. Sich dieser Gefahr bewusst, versuchte der HCR geduldig zu agieren und mit geringem Risiko zu Torchancen zu kommen. Ab und zu gelang letzteres auch, doch haperte es im Abschluss an der nötigen Genauigkeit. Die besten Möglichkeiten vergaben Pascal Kern bei einem Freistoss in der 14. und Jonas Lutz bei einem 2:0-Konter in der 18. Minute. Und als Captain Nils Conrad kurz vor diesen beiden Aktionen getroffen hatte, wurde dem Tor die Anerkennung verweigert. Ein grober Schnitzer im Spielaufbau liess die Winterthurer gar mit 0:1 in die erste Pause gehen.
Im ähnlichen Stil ging es im Mitteldrittel weiter. Der HCR blieb spielbestimmende, war aber nicht in der Lage, regelmässig konkret und druckvoll anzugreifen, und machte auch zu wenig aus seinen Möglichkeiten. Immerhin gelang Daniel Keller in der 34. Minute mit einer starken Einzelleistung der Ausgleich. Zwei Zeigerumdrehungen später hatte Chur freilich seine Führung wieder zurückgeholt und gar verdoppelt. Krebs wusste, was da geschehen war: «Wir hatten zwei Minuten, in denen wir uns nicht an unseren Gameplan hielten und wurden sofort bestraft. Insgesamt spielten wir in den ersten zwei Dritteln dieses schwierigen Auswärtsspiels ordentlich, wenn auch nicht gut, und erarbeiteten uns ein Chancenplus. Nur fiel der Ball da noch nicht rein.»
Ein Ruck geht durch die Mannschaft
Auch in den letzten zwanzig Minuten änderte sich nichts daran, dass die Partie nichts für Unihockey-Feinschmecker war. Geduld, taktische Disziplin und Kampf überwogen. Was sich jedoch änderte, war, dass der HCR an Entschlossenheit zulegte. Als Krebs für die letzten zwanzig Minuten die Kräfte seiner Mannschaft bündelte und dabei auf seine etatmässig erste Sturmlinie verzichtete, schien ein Ruck durch sie zu gehen. Dieser liess sich daran ablesen, dass einerseits die Fehler im Aufbau fast ganz verschwanden, andererseits aber auch die Offensive zielgerichteter und direkter wurde. «Wir hatten viel Energie in der Mannschaft», streicht Krebs die Bedeutung der Bank hervor. Dies liess sich daran ablesen, dass auf der Bank jede gelungene Aktion gefeiert wurde. Und davon gab es im Schlussdrittel etliche, nicht zuletzt die fünf Tore von vier verschiedenen Spielern. Einzig Keller, der am Ende auf drei Tore kam, war in den letzten zwanzig Minuten doppelt erfolgreich.
«Es ist alles andere als selbstverständlich, dass wir die Masterround erreichten», streicht Krebs hervor. Zum einen wogen die drei Niederlagen zum Saisonstart nach der Verkürzung der Qualifikation besonders schwer. Mit sieben Siegen in der darauf folgenden acht Runden konnte der HCR den Rückstand mehr als nur wettmachen. Diese starke Serie macht umso wertvoller, als Topskorer Jami Manninen zum anderen seit Oktober nicht mehr dabei ist und andere diesen Verlust ausgleichen mussten und dies auch taten. Gerade in der Breite hat der HCR zuletzt Fortschritte erzielt und ist dadurch schwerer zu kontrollieren geworden. Das wurde auch in Chur offensichtlich.




