Lieber Nils,
deine SMS am vergangenen Freitag hat mich nach dem Cupsieg eine Woche zuvor wieder zurück auf den Boden geholt. Ich wusste, dass dieser Moment von deinem Rücktritt irgendwann kommen würde, besonders nach dieser nicht einfachen Saison für dich persönlich. Nun ist es offiziell: Es werden unsere letzten Playoffs mit dir als Spieler und mir als Fan sein.
Wenn ich an dich denke, habe ich sofort das Bild vor Augen, wie du als kleiner Knirps nach unseren Heimspielen, damals bei Floorball Thurgau, zusammen mit Levin noch auf dem Spielfeld herumgetobt bist. Wer hätte damals gedacht, was wir noch alles gemeinsam erleben würden?
Als ich 2016 als Funktionär zum HC Rychenberg Winterthur zurückgekehrt bin, warst du schon da. Als junger Verteidiger hast du deinen Platz neben Stars wie Sundstedt oder Hautaniemi gerade erst gefunden. Als Spieler wurde dir nichts geschenkt. Talent hatten andere mehr als du, doch du hattest dieses Mindset, von dem alle reden: die richtige Einstellung, dich immer wieder zu verbessern und als Teamplayer niemals aufzugeben. Der kleine Knirps wuchs durch harte Arbeit und viel Verzicht zu einem Leader in der höchsten Spielklasse heran – und später gar zum Schweizer Nationalspieler.
Du warst nicht nur ein Vorreiter, sondern auch ein Vorbild. Du hast uns nicht nur durch deine Leistung auf dem Feld inspiriert, sondern auch durch deine Haltung und dein Engagement abseits des Spielfelds. Du hast den Karren zusammengehalten, wenn die Truppe mal wieder zu zerbrechen drohte. Du warst unser Markenbotschafter in der Unihockey-Schweiz und unser Mediensprecher in herausfordernden Zeiten.
Gemeinsam haben wir erlebt, wie sich der Verein in den letzten Jahren entwickelt hat – wie die Zuschauerzahlen stiegen und die Begeisterung in dieser Stadt wuchs. Wir haben unglaubliche Spiele gewonnen, aber auch viele Finalniederlagen hinnehmen müssen. Diese Jahre waren hart, und so wurde der Titel „Vizeberg“ geboren. Du hattest Angebote von anderen Clubs, und die Versuchung, nach einem Titel in der Fremde als Lohn für deine Mühen, war gross. Ich werde dir immer dankbar sein, dass du uns damals nicht verlassen hast und auch in schwierigen Momenten an unsere Vision geglaubt hast. Deine Loyalität und dein Vertrauen in unsere Organisation schätze ich. Dich als Menschen noch mehr.
Als Sprachrohr des Vereins hast du uns stets mit deiner positiven Energie und deinem Antrieb unterstützt. Du hast immer an unseren Weg geglaubt – an unseren Club, unser Team, an die Menschen in dieser Organisation. Der Cupsieg, der uns nach 29 Jahren endlich den ersten Titel brachte, ist der perfekte Zwischenstopp unserer gemeinsamen Reise.
Mit Markus Lindgjerdet, Nicolas Schüpbach und dir verlassen uns gleich drei grosse Persönlichkeiten. Ich freue mich unglaublich auf unsere letzte gemeinsame Playoff-Kampagne und einen würdigen Abschluss dreier grossartiger Karrieren.
Nils, ich danke dir von Herzen für alles, was du für den Verein, für mich und für das Schweizer Unihockey getan hast. Du warst stets unser Captain und wirst immer einen besonderen Platz in unseren Erinnerungen und im Herzen des Vereins haben.
Ich werde dich als Spieler vermissen. Als Freund wünsche ich dir für die Zukunft nur das Beste und freue mich auf die nächsten gemeinsamen Erlebnisse.
O Captain! My Captain!
Mit Dankbarkeit und besten Wünschen,
Mario
Persönlicher Worte von HCR-Geschäftsführer Mario Kradolfer an Nils Conrad, zum Rücktritt nach der aktuellen Saison.




