Mit dem Auftritt von Rekordmeister SV Wiler-Ersigen am Samstagabend in der Axa-Arena beim aktuellen Champion HC Rychenberg Winterthur, endet die erfolgreichste Ära im Schweizer Unihockey.
Wer diese Aussage als eine steile These wertet oder kopfschüttelnd in den Statistiken nachblättert, dem sei nachfolgend die Erklärung geliefert: Als im Jahr 2004 der SVWE seinen ersten Meistertitel holte und damit den Vorjahresmeister und 12fachen Titelträger Rot-Weiss Chur ablöste, konnte noch niemand ahnen, dass dies der Startschuss zu einer beispiellosen Titelsammlung mit bisher 13 Meistertiteln werden würde.
Chur holte seine Trophäen damals vor allem mittels einer Riege zwar ausserordentlich talentierter Spieler - allerdings waren sie nicht unbedingt die besseren Spieler als ihre Gegner, zu denen selbstverständlich auch bereits der HCR zählte. Was die Churer aber in ihren Reihen hatten, waren eine nochmals deutlich grössere Zahl an charismatischen Persönlichkeiten als die meisten Gegner. Prägende Figuren wie beispielsweise der aktuelle Geschäftsführer des Megakonzerns Würth International, Thomas Tanner, der gerne mit Schal trainierte, um sich nicht zu erkälten.
Aber fertig mit dem Palaver! Zurück zum Titel dieses Beitrags: wem gilt diese Verbeugung und welche Ära endet denn nun? Zwar hatte auch der SVWE in seiner Geschichte eine ganze Reihe ausgezeichnete Spieler in seinen Kadern - man denke nur an die Zälgli-Buben aus Bätterkinden (wie die Höfi-Brothers oder die stille Primadonna Raphi Keller). Doch der eigentliche Erfolgsgarant, die entscheidende Figur in der Erfolgsgeschichte der Oberemmentaler, hat stets im Hintergrund gewirkt. Dieser Mann hat es geschafft, Menschen um sich zu scharen, seinen Verein seriös zu nachhaltigem, sportlichem Erfolg zu führen, seine eigenen Nachfolger aufzubauen, trotzdem weiterhin unterstützend aber bescheiden im Hintergrund zu wirken, so dass viele glaubten, dass er gar nicht mehr dabei sei. Seinen Namen nennen wir nicht, was er zu schätzen wissen wird.
Aufgeblüht ist der grosse Macher der Erfolgsstory von Wiler allerdings, wenn er unter seinem Pseudonym „Giftspritze“ Gegner und eigene Mannschaft literarisch sezierte und bis aufs nackte Knochenmark zerlegte. Vor allem die bis aufs Blut ausgetragenen, schriftlichen Gefechte mit Köniz Rocker-Trainer René Berliat waren immer recht hübsch. Der HCR hingegen hatte bei seinem Halbfinalsieg letzte Saison gegen Wiler dann aber das Vergnügen, als leckeren „Grotto-Risotto“ gelobt zu werden, während das eigene Team als „faden Fruchtsalat“ abqualifiziert wurde.
Nun ist es mit dem aktuellen Gastspiel des SV Wiler-Ersigen in der Axa-Arena aber so weit. Die Giftspritze verabschiedet sich in den Ruhestand und zieht weit weg aus der Schweiz in ein fernes Land, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Wir wünschen ihm das Beste, noch lange gute Gesundheit und vielleicht irgendwann doch mal wieder etwas amüsanten Lesestoff.
HC Rychenberg Winterthur vs. SV Wiler-Ersigen
Samstag, 19. September 2026 / 18.00 Uhr
AXA Arena, Winterthur
Text: Sophie A. Mock




