UHC Alligator Malans
5:2
HC Rychenberg Winterthur
1:12:02:1
27. Februar 2021 / 18:00

Formtest gegen Malans

Die neugeschaffene Masterround für die Top 6 der NLA ist im Kern eine Vorbereitung auf die Playoffs, mit einer wöchentlichen Überprüfung des Entwicklungsstandes im Rahmen eines Meisterschaftsspieles. In den ersten drei Runden dieser Zwischenrunde manifestierte sich, was bereits in der zerstückelten und gekürzten Qualifikation zu erkennen gewesen war: Die Liga ist ein weiteres Stück ausgeglichener geworden, die Teams sind enger zusammengerückt. Gerade auch, aber nicht nur, unter den Top 6.

Zeuge davon war unter anderem, dass der HC Rychenberg am letzten Samstag mit einem Heimsieg gegen den damaligen Tabellendritten Köniz seinen verdienten ersten Erfolg in der Masterround erringen konnte und damit aufzeigte, dass er sich fürs bevorstehende Viertelfinale auf dem richtigen Weg befindet. Am Samstag bietet sich der Mannschaft von Philipp Krebs nun die Möglichkeit, auswärts gegen den neuen Tabellendritten Malans weitere Fortschritte erkennen zu lassen und sich mit einem Sieg weiteres Selbstvertrauen zu tanken.

Viel Mut und Geduld an den Tag legen

Krebs will dieses Auswärtsspiel nicht als blosse Vorbereitung auf die Playoffs verstanden wissen. Der Zug für das den Top 4 vorbehaltene Heimrecht fürs Viertelfinale ist zwar bereits abgefahren, aber «Malans ist ein möglicher Playoffgegner, gegen den wir einerseits Erkenntnisse gewinnen wollen, gegen den es aber andererseits auch unserem Anspruch entspricht, dass wir das Match siegreich gestalten möchten.» Nicht zuletzt mit Blick auf die letzte Runde, in der die Bündner Leader GC auswärts gleich mit 11:4 bezwangen, dürfte dies eine anspruchsvolle Aufgabe werden. Dass die Winterthurer dieser gewachsen sein können, zeigten sie im letztjährigen Viertelfinal, als sie zum Zeitpunkt des coronabedingten Saisonabbruchs beide Auswärtsspiele für sich entschieden hatten.

Mit 17 Spielern zwischen 25 und 32 Jahren verfügt Malans über eine sehr erfahrene, wenn nicht gar die erfahrenste Mannschaft der Liga. Spieler wie Tim Braillard, Dan Hartmann, Kevin Berry, Christoph Camenisch, Florian Tromm, Lukas Veltšmíd und der Winterthurer Joel Friolet bilden seit vielen Jahren das Rückgrat der Truppe. Krebs spricht nicht zufällig von einem «sehr erwachsenen Unihockey», das die Bündner spielen. «Ihre Spielweise ist vielleicht nicht sonderlich speziell und ausgetüftelt, aber äusserst seriös und konsequent.» Was es braucht, um dagegen bestehen zu können, ist für Krebs klar: «Wir müssen einerseits unbedingt unsere jugendliche Frische und unseren Mut einbringen und andererseits gerade auch in der Mittelzone sauber agieren, weil Malans gut darin ist, gegnerische Fehler auszunutzen. Immer wichtig ist gegen die Bündner zudem, dass wir gut auf ihr Pressing vorbereitet sein werden.»

Letztlich geht es für den HCR vor allem darum, die kontinuierlich offenkundiger gewordenen Fortschritte im strukturierten Spiel mit Ball zu festigen oder gar noch weitere Elemente hinzuzufügen. Da kommt Malans in Krebs' Augen zur rechten Zeit: «Es ist ein defensiv guter Gegner, gegen den Geduld gefragt sein wird und wir weiter an unserem Offensivsystem arbeiten und Fortschritte anstreben können. Wahnsinnig verrückte Sachen werden wir nicht ausprobieren, aber wir werden uns schon ein paar Sachen zurechtlegen. Und vor allem wollen wir das Match gewinnen.» Sollte dies gelingen, wäre es auch eine späte Genugtuung für HCR-Verteidiger Samuel Nussbächer. Dieser war in der vergangenen Saison derart unfair angegangen worden, dass er den Rest jener Spielzeit wegen einer Hirnerschütterung pausieren musste.

Autor: René Bachmann, Der Landbote

Enttäuschung in Maienfeld

Die dritte Runde der Masterround hatte es nicht erwarten lassen. Der HC Rychenberg wie auch Malans hatten vor Wochenfrist zu überzeugen gewusst, erwischten in der vierten Runde indes beide einen gebrauchten Tag. Beide hatten eine Vielzahl an Fehlpässen zu beklagen, wodurch zusammenhängende Aktionen und erfolgsversprechende Abschlüsse unvermeidlich die seltene Ausnahme blieben. Es schien, als hätten die Spieler für ein Match kurz vor den Playoffs, in dem es für den einen (Rychenberg) um nichts und für den anderen um wenig ging, nicht ausreichend viel mentale Spannung aufbringen können. Ein zäher Kampf und Krampf prägten den Grossteil der sechzig Minuten, an deren Ende der HCR mit 2:5 unterlag. Ein Ergebnis, das angesichts der leichten Vorteile des Gastgebers alles in allem ein korrektes war.

Enttäuschende erste vierzig Minuten

Im Vorfeld der Partie hatte HCR-Trainer Philipp Krebs darauf hingewiesen, dass Malans eine routinierte, seriös und konsequent auftretende Mannschaft stelle. Da gelte es, erstens mit jugendlicher Frische und Mut dagegenzuhalten, zweitens in der Mittelzone sauber zu agieren und drittens auf das Pressing vorbereitet zu sein. Vor allem die ersten zwei Anweisungen konnten die Winterthurer in der Realität selten umsetzen. Bereits im Start-, ganz ausgeprägt aber in der ersten Hälfte des Mitteldrittels waren die Angriffsbemühungen mehrheitlich zu unpräzis, zu hektisch und zu wenig koordiniert. Aufgelegte Torchancen blieben infolgedessen eine Seltenheit. Wurde es dennoch einmal gefährlich vor dem Malanser Tor, mangelte es auch im Abschluss an der Genauigkeit. Eine der Ausnahmen bildete das zwischenzeitliche 1:1, das Noah Püntener auf ein feines Zuspiel Levin Conrads solo erzielte.

Die geringe Passqualität brachte es aber auch mit sich, dass der HCR gerade in der von Krebs angemahnten Mittelzone viel zu häufig Ballverluste zu beklagen hatte. Diese luden Malans in den ersten dreissig Minuten geradezu ein, Konter zu fahren. Dass das Heimteam dabei auch nicht eben mit Präzision glänzte, aber auch die eine oder andere gelungene Parade von Nicolas Schüpbach, verhinderte lange Zeit grösseres Unheil. Dieses brach zwischen der 30. und 49. Minute gleichwohl über den HCR herein. Und zwar nicht als kollektive Errungenschaft des Heimteams, sondern so, wie es für das zähflüssige Treiben bezeichnend war. Zur Spielmitte hielt Tim Braillard einfach mal aus der Distanz drauf, kurz darauf passte Rychenbergs Zuordnung bei einem gegnerischen Freistoss aus der Ecke nicht und in der 49. Minute wurde eine wuchtige Hereingabe vom Fuss eines Verteidigers ins eigene Tor abgelenkt.

Krebs war bis dahin von der Leistung seiner Mannschaft wenig angetan: «Wir zeigten zwei richtig schlechte Drittel. Offensiv brachten wir nicht das auf den Platz, was wir uns taktisch vorgenommen hatten. Wir gingen aber auch nicht mit dem Anspruch auf den Platz, mit dem Ball etwas kreieren zu wollen. Wir waren ängstlich mit dem Ball, spielten die einfachen Lösungen nicht und kamen dadurch zwei Drittel lang offensiv nicht ins Spiel. Und defensiv gab es ein paar Momente, in denen wir zu stark schwammen. Wir lieferten ein typisches 95 Prozent-Spiel ab» und das reicht in der NLA heutzutage einfach nicht.

Steigerung reicht nicht zur Korrektur

Was dem HCR bei aller Kritik zugute gehalten werden darf, war, dass er sich im Schlussdrittel mit mehr Nachdruck gegen die drohende Niederlage wehrte. Er verlagerte das Geschehen vermehrt in die gegnerische Hälfte und kam einem Punktgewinn nochmals nah. So traf Jonas Lutz in der 50. Minute nach einem Diagonalpass David Foelix' nur das Seitennetz. Fünf Minuten später machte es der Flügelspieler besser, indem er ein Zuspiel Luca Dall'Oglios in den hohen Slot direkt verwandelte. Wenig später hatte der wie Lutz eingewechselte Yannic Fitzi das Anschlusstor auf dem Stock, sah seinen Schuss aus zwei Metern aber vom fabelhaft reagierenden Jonas Wittwer entschärft. Vorausgegangen war eine der seltenen sehenswerten Kombinationen über Levin Conrad und Püntener. Und in den letzten Sekunden der Begegnung liessen noch Levin Conrad und Pascal Kern einen schnellen Vorstoss ungenutzt.

Das (erfolglose) Aufbäumen stimmte Krebs in seiner Beurteilung milde: «Zufrieden bin ich, dass wir im letzten Drittel eine Schippe drauflegen konnten. Wir spielten öfter mit Ball und offensiv besser, hatten mehr Durchsetzungskraft und konnten auch Zweikämpfe gewinnen. Positiv ist andererseits, dass wir genügend viele Topchancen hatten, um das Match zu gewinnen, obwohl wir in den ersten zwei Dritteln nicht gut gespielt hatten – weil die Defensive mehrheitlich funktionierte, weil wir ein paar Ballgewinne hatten und weil das Konterspiel gut klappte. Von den Grosschancen her hätte es nach zwei Drittel auch 3:3 stehen können, und das obwohl wir wenig Zugriff aufs Spiel hatten.» Das mag für die Playoffs Hoffnung geben, doch muss bis dahin auch die Leistung wieder besser werden. Der Auftritt in Maienfeld sollte ein einmaliger Ausrutscher bleiben.

Matchbericht vs. Alligator Malans

Autor: René Bachmann, Der Landbote

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