Chur Unihockey
5:7
HC Rychenberg Winterthur
1:02:22:5
31. Januar 2021 / 18:00

Ein letzter, grosser Schritt für den HCR

Am Sonntag steht die spannende letzte Runde der – auf die Hinrunde reduzierten – Qualifikationsphase der Unihockey-NLA auf dem Programm. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf die drei Begegnungen Chur gegen Rychenberg, Sarnen gegen Zug und Langnau gegen Köniz. In diesen wird entschieden, wer sich noch zu den vier feststehenden Teilnehmern der Masterround gesellen wird. Zwei aus dem Quartett Zug, Rychenberg, Langnau und Chur werden den Sprung noch schaffen und sich auf diesem Wege direkt für die Playoffs qualifizieren. Die zwei Anderen werden den Umweg über die Challengeround nehmen müssen.

Zweifellos die besten Chancen auf einen Platz an der Sonne besitzt Zug (Koeffizient: 1.8). Alles andere als ein müheloser Sieg beim punktelosen Schlusslicht Sarnen wäre eine riesige Überraschung. Rychenberg (1.6/Torverhältnis: +4) und Langnau (1.6/+0) ihrerseits haben den Vorstoss in die Masterround in Chur respektive gegen Köniz in den eigenen Händen. Im Gegensatz zu ihnen ist Chur (1.3/-2) auf fremde Hilfe angewiesen. Angesichts dieser engen Kiste ist wichtig, dass die Chancengleichheit gewahrt wird. Mit dem zeitgleichen Spielbeginn um 18 Uhr wird dem Rechnung getragen.

Defensiv diszipliniert und offensiv mutig

Im September letzten Jahres hatte noch nichts darauf hingedeutet, dass der HCR reelle Chancen auf die Teilnahme an der Masterround haben würde. Zum einen war diese Zwischenrunde zu jenem Zeitpunkt noch gar nicht aus der Taufe gehoben gewesen, zum anderen waren die Winterthurer mit drei Niederlagen denkbar schlecht in die neue Saison gestartet. Ein überzeugender Restart zum Jahresbeginn hat das Team von Philipp Krebs nun in die Lage versetzt, sich aus eigener Kraft unter die Top 6 zu mischen. Der «einfachste» Weg, dieses Ziel zu erreichen, wäre ein Sieg in der abschliessenden elften Runde in Chur. Damit wären nicht nur die Bündner distanziert, sondern müsste auch Langnau mindestens ebenso viele Punkte ergattern und dazu noch das schlechtere Torverhältnis wettmachen.

Krebs traut dies den Emmentalern durchaus zu: «Es ist nicht ausgeschlossen, dass Langnau mit zehn oder so Toren Unterschied gegen Köniz gewinnt. Dann wird es knapp für uns, aber wir werden alles versuchen, um die Masterround zu erreichen. In erster Linie wollen wir jedoch einfach wieder ein gutes Spiel abliefern, nachdem wir zuletzt gegen GC den Start ein wenig verschlafen und nachher nicht schlecht, aber ein wenig glücklos probiert hatten aufzuholen.»

Ein überzeugender Auftritt dürfte in Chur auch vonnöten sein, vermochten die Bündner doch in dieser Saison drei ihrer bislang vier Heimspiele für sich zu entscheiden; einen völlig unerwarteten Sieg gegen Wiler inklusive. Ausserdem wartet der HCR seit Dezember 2017 auf einen Erfolg in den meist erst in der Verlängerung entschiedenen Begegnungen gegen Chur. «Wir wollen dort anknüpfen, wo wir zuletzt aufgehört hatten und dieses Spiel unbedingt gewinnen», erklärt Krebs. «Gegen einen guten Gegner, einen, der vor allem sehr viele starke Einzelspieler in seinen Reihen hat, die es zu kontrollieren gilt.» Explizit im Auge zu behalten gilt es die treffsicheren Kim Hyrkkönen und Sandro Cavelti sowie den konterstarken Leon Schlegel und die früheren Rychenberger Mario Jung und Tim Nussle.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt für die Winterthurer in der eigenen Leistung: «Wir müssen darauf achten, dass es kein allzu wildes Spiel gibt», gibt es doch hierzulande Teams, denen dies entschieden besser liegt als dem lieber kontrolliert agierenden HCR. «Und wir müssen defensiv diszipliniert, offensiv engagiert und mutig auftreten. Ich gehe davon aus, dass es ein Spiel geben wird, in das wir mit einem klaren Ziel und einem guten Plan, aber auch einer Portion Mut steigen sollten. Dann werden wir belohnt werden.» Übung im Bestreiten solch bedeutsamer Spiele haben die Winterthurer mittlerweile. Schliesslich war seit dem Restart jedes Match wichtig, um die Teilnahme an der Masterround noch möglich zu machen. Den Optimismus befeuert, dass der HCR dabei grösstenteils einen guten Eindruck hinterliess.

Autor: René Bachmann, Der Landbote

NLA kämpft sich in die Masterround

Für Spannung war in der abschliessenden elften Qualifikationsrunde gesorgt. Gleich vier Team aspirierten noch mit mehr oder weniger guten Aussichten auf einen der zwei freien Plätze in der Masterround. Letztlich gab es in der Tabelle keine Veränderungen mehr. Zug und der HC Rychenberg verteidigten ihre Plätze in den Top 6 erfolgreich und können sich so darüber freuen, dass ihnen einerseits fünf Partien gegen die Besten bevorstehen und ihnen andererseits die angestrebte Teilnahme an den Playoffs nicht mehr zu nehmen ist.

Nach vier bitteren Niederlagen in Folge verstand es der HCR, sich gegen Chur erstmals seit dem Dezember 2017 durchzusetzen. Dieser eminent wichtige Sieg hatte seine Berechtigung, denn die Mannschaft von Philipp Krebs war fast während der ganzen sechzig Minuten aktiver als sein Gegner und diktierte über weite Strecken das Geschehen. Daraus resultierten ein Chancenplus,  mangels Tagesform einiger Protagonisten aber lange Zeit keine Tore. Weil sich die Winterthurer gleichzeitig ein paar grobe Schnitzer im Aufbau leisteten, sahen sie sich nach 36 Minuten einem 1:3-Rückstand gegenüber. Dank einer Steigerung konnten sie daraus bis zur 55. Minute einen 7:3-Vorsprung machen und letztlich einen wohlverdienten Sieg feiern.

Zu wenig konkret und präzis im Angriff

In den ersten vierzig Minuten war es vor allem ein Geduldsspiel. Chur schien wenig Freude daran zu haben, den Ball in kontrolliertem Umfeld zu besitzen, sondern schien primär darauf aus zu sein, beim Gegner Ballverluste zu provozieren und mit schnellen Gegenstössen zum Torerfolg zu kommen. Sich dieser Gefahr bewusst, versuchte der HCR geduldig zu agieren und mit geringem Risiko zu Torchancen zu kommen. Ab und zu gelang letzteres auch, doch haperte es im Abschluss an der nötigen Genauigkeit. Die besten Möglichkeiten vergaben Pascal Kern bei einem Freistoss in der 14. und Jonas Lutz bei einem 2:0-Konter in der 18. Minute. Und als Captain Nils Conrad kurz vor diesen beiden Aktionen getroffen hatte, wurde dem Tor die Anerkennung verweigert. Ein grober Schnitzer im Spielaufbau liess die Winterthurer gar mit 0:1 in die erste Pause gehen.

Im ähnlichen Stil ging es im Mitteldrittel weiter. Der HCR blieb spielbestimmende, war aber nicht in der Lage, regelmässig konkret und druckvoll anzugreifen, und machte auch zu wenig aus seinen Möglichkeiten. Immerhin gelang Daniel Keller in der 34. Minute mit einer starken Einzelleistung der Ausgleich. Zwei Zeigerumdrehungen später hatte Chur freilich seine Führung wieder zurückgeholt und gar verdoppelt. Krebs wusste, was da geschehen war: «Wir hatten zwei Minuten, in denen wir uns nicht an unseren Gameplan hielten und wurden sofort bestraft. Insgesamt spielten wir in den ersten zwei Dritteln dieses schwierigen Auswärtsspiels ordentlich, wenn auch nicht gut, und erarbeiteten uns ein Chancenplus. Nur fiel der Ball da noch nicht rein.»

Ein Ruck geht durch die Mannschaft

Auch in den letzten zwanzig Minuten änderte sich nichts daran, dass die Partie nichts für Unihockey-Feinschmecker war. Geduld, taktische Disziplin und Kampf überwogen. Was sich jedoch änderte, war, dass der HCR an Entschlossenheit zulegte. Als Krebs für die letzten zwanzig Minuten die Kräfte seiner Mannschaft bündelte und dabei auf seine etatmässig erste Sturmlinie verzichtete, schien ein Ruck durch sie zu gehen. Dieser liess sich daran ablesen, dass einerseits die Fehler im Aufbau fast ganz verschwanden, andererseits aber auch die Offensive zielgerichteter und direkter wurde. «Wir hatten viel Energie in der Mannschaft», streicht Krebs die Bedeutung der Bank hervor. Dies liess sich daran ablesen, dass auf der Bank jede gelungene Aktion gefeiert wurde. Und davon gab es im Schlussdrittel etliche, nicht zuletzt die fünf Tore von vier verschiedenen Spielern. Einzig Keller, der am Ende auf drei Tore kam, war in den letzten zwanzig Minuten doppelt erfolgreich.

«Es ist alles andere als selbstverständlich, dass wir die Masterround erreichten», streicht Krebs hervor. Zum einen wogen die drei Niederlagen zum Saisonstart nach der Verkürzung der Qualifikation besonders schwer. Mit sieben Siegen in der darauf folgenden acht Runden konnte der HCR den Rückstand mehr als nur wettmachen. Diese starke Serie macht umso wertvoller, als Topskorer Jami Manninen zum anderen seit Oktober nicht mehr dabei ist und andere diesen Verlust ausgleichen mussten und dies auch taten. Gerade in der Breite hat der HCR zuletzt Fortschritte erzielt und ist dadurch schwerer zu kontrollieren geworden. Das wurde auch in Chur offensichtlich.

Autor: René Bachmann, Der Landbote

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