
Der HCR bekommt es bei seinem Champions-Cup-Abenteuer mit dem tschechischen Meister Mlada Boleslav zu tun. Der Finalist des Vorjahres bringt ein Starensemble mit nach Winterthur und ist eine hohe Hürde. Wir stellen Mlada Boleslav und sein Team näher vor.
Florbal Mlada Boleslav hat eine äusserst erfolgreiche Saison hinter sich. Im Champions Cup eliminierten die Tschechen zuerst den Schweizer Meister Zug United (3:1 und 10:4) und anschliessend den finnischen Cupsieger Nokian KrP (8:5 und 7:6). Als Belohnung wurde das Finalspiel nach Mlada Boleslav vergeben. Der Verein schaffte es in kürzester Zeit, die lokale Eishalle bis auf den letzten Platz zu füllen – vor ausverkauftem Haus (3328 Fans) wurde Pixbo IBK zumindest zwei Drittel lang Paroli geboten, bis der 9:6-Erfolg der Schweden Tatsache war. Es brauchte einen Oskar Weissbach in Hochform. Mit acht (!) Skorerpunkten sorgte er für den Unterschied.
Nach dem internationalen Silber holte sich „Bolka“, wie Mlada Boleslav im Volksmund genannt wird (ähnlich wie „Winti“), im April in der heimischen Superliga Gold. Vor 14'509 Zuschauern in der Prager O2-Arena wurde Titelverteidiger Tatran Střešovice mit 7:4 bezwungen.
Nachdem Serienmeister Tatran erst aus Ostrava (Vítkovice) Konkurrenz bekam, entwickelte sich auch das 1998 gegründete Mlada Boleslav in den letzten Jahren immer mehr zum Spitzenteam. Als Macher zeichnet sich dabei seit Jahren der General Manager Tomáš Pacák aus, dem es gelang, den Verein aus der Škoda-Stadt laufend mit aktuellen und zukünftigen Stars zu verstärken. Als einer der wenigen Vereine der Superliga verfügt Mlada Boleslav auch über die finanziellen Möglichkeiten, ausländische Spieler zu verpflichten. So etwa letzte Saison die in der Schweiz bekannten Iiro Lankinen (ex Thurgau und Malans, mittlerweile weg) und Joakim Lund (ex WASA, noch da).
Mlada Boleslav ist seit 130 Jahren der Hauptsitz von Škoda. 1895 als Velofabrik gegründet, verliess im Jahr 1905 das erste Auto das Werk. Die Stadt zählt knapp 50'000 Einwohner, im Skoda-Hauptwerk sind rund 20'000 Menschen beschäftigt. Die Übersetzung von Škoda (deutsch: Schaden) mag für die populären Autos unglücklich klingen, aber sportlich ist Florbal Mlada Boleslav längst daran, allen Gegnern massiven Schaden zuzufügen.
Bei vielen Teams reicht es, die drei oder vier grössten Stars vorzustellen, mit denen das Spiel ihrer Mannschaft steht und fällt. Bei Mlada Boleslav kommt man damit nicht weit. Wir teilen in Gruppen ein.
Die Internationalen
An den World Games in China stellte Bolka mit Torhüter Lukáš Bauer (in jungen Jahren zwei Saisons bei Grünenmatt), den Verteidigern Adam Hemerka und Filip Zakonov sowie den Stürmern Adam Delong und Dominik Beneš ein Quintett, das Bronze gewann und dabei die Schweiz im kleinen Final deutlich schlug. Mit Jiří Besta steht ein weiterer Nationalspieler im Kader, der die letzte WM bestritt. Der für die World Games aufgebotene Lukáš Punčochář verliess den Verein in Richtung SSL – ein Hindernis weniger für den HCR.
Die Altinternationalen
Neben dem halben Dutzend aktueller Nationalspieler stellt Mlada Boleslav viel zusätzliche Routine. Die Ü30-Fraktion um Patrik Suchánek (34), Milan Tomašík (37) – beide mit IBK Dalen einst im SM-Finalen – und Martin Tokoš (34, ex Chur und Falun) bringt nichts aus der Ruhe. Tomašík war letzte Saison der fünftbeste Skorer der Superliga.
Die Youngsters
Am anderen Ende der Altersskala finden wir ein halbes Dutzend U19-Internationale, die im Mai in Zürich die Schweiz im Halbfinal auseinandernahmen und im Final gegen Finnland erst in der Verlängerung am dritten U19-WM-Titel vorbeischrammten. Dabei gehörten die 18-Jährigen Martin Feigl, Jakub Vařecha und Filip Bergman schon letzte Saison zu den Stammkräften in der Superliga, während der ein Jahr jüngere Mikeš Motejzík, in Zürich ins Allstar-Team gewählt, bis jetzt noch gar nicht offiziell zum Kader gehört. Die „Bolka Academy“ produziert hochwertigen Nachwuchs am Fliessband.
Zum Dessert
Welcher der bisher erwähnten Cracks war letzte Saison wohl Mlada Boleslavs Topskorer? Achtung, Fangfrage: Es war keiner von ihnen. Michal Sládek (25) buchte in 35 Ligapartien 50 Tore und belegte mit 70-Quali-Punkten Rang 3 der Skorerliste. Auf Rang 1 platzierte sich Stürmer Vojtěch Wiener, der für das Mittelfeldteam Liberec sogar 82 Punkte sammelte. Und wo spielt der 22-Jährige in der neuen Saison? Natürlich bei Mlada Boleslav. Der hat gerade noch gefehlt.
Der HC Rychenberg Winterthur qualifiziert sich als Cupsieger 2025 für den Champions Cup. Für den Traditionsverein sind es die ersten Schritte auf internationalem Parkett. Nach den Abgängen einiger Leistungsträger in der vergangenen Saison befindet sich die Mannschaft im Umbruch. Entsprechend steht die diesjährige Champions-Cup-Kampagne klar unter dem Motto «Erfahrungen sammeln».
Das Duell mit dem amtierenden tschechischen Meister Florbal Mladá Boleslav wird für den HCR zur Herkulesaufgabe – doch die Winterthurer wollen ihre Haut so teuer wie möglich verkaufen.
«Mit Mladá Boleslav haben wir ein absolutes Top-Team bei uns in Winterthur zu Gast. Darauf freuen wir uns sehr und hoffen auf zahlreiche Unihockeyfans in der Halle», so Geschäftsführer Mario Kradolfer. «Für unsere junge Mannschaft wird es eine grosse Herausforderung sein. Wir wollen unser Bestes abrufen und die Chance nutzen, uns mit einigen der besten Unihockeyspieler der Welt zu messen.»
📅 Hinspiel: HCR vs. Florbal MB
🗓 Samstag, 20. September
🕕 18:00 Uhr / 🏟 AXA Arena
📅 Rückspiel: Florbal MB vs. HCR
🗓 Samstag, 27. September
🕕 18:00 Uhr / 🏟 MSH Mlada Boleslav
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