Grasshopper Club Zürich
6:0
HC Rychenberg Winterthur
2:01:03:0
23. Januar 2021 / 16:00

NLA braucht gegen Leader Punkte

Am kommenden Wochenende dürften in der zehnten und vorletzten Qualifikationsrunde der Unihockey-NLA die nächsten Entscheidungen fallen. Vor einer Woche hatte sich Uster aus dem Rennen um die sechs Plätze in der neu geschaffenen Masterround verabschiedet. Mit Blick auf die Tabelle und das Restprogramm dürfte auch Waldkirch zu Thun und Sarnen in die Challengeround verbannt worden sein und sich auf diesem Wege für die Playoffs zu qualifizieren versuchen müssen. Ganz anders sieht die Gemütslage am anderen Ende der Tabelle aus. Noch steht zwar kein Team definitiv in der Masterround, was die wachsende Ausgeglichenheit der Liga manifestiert, ohne grössere Überraschungen dürfte GC, Köniz, Wiler und auch Malans der Platz in der Top 6 in den verbleibenden zwei Runden kaum mehr abspenstig gemacht werden können.

Es bleiben demnach noch vier Mannschaften, bei denen die Richtung noch nicht vorgegeben ist. Vier Teams, die sich um die verbleibenden zwei Plätze an der Sonne streiten. Angeführt wird dieses Quartett momentan vom HC Rychenberg, dicht gefolgt von Langnau, Zug und Chur. Für die Mannschaft von Philipp Krebs bedeutet dies, dass sie trotz mehrheitlich gelungenen Auftritten und zehn Punkten aus den ersten vier Partien nach dem Neustart der Meisterschaft auf weitere Siege angewiesen ist, will sie die Playoffs noch vor dem Beginn der Zwischenrunde dingfest machen. Die in der zehnten Runde anstehende Aufgabe könnte indessen nicht anspruchsvoller sein. Die Reise führt den HCR zum Tabellenführer GC ins nahe Zürich (Samstag, 16 Uhr, Hardau).

Wie gegen Köniz, aber besser

Schon seit einigen Jahren zählen die Stadtzürcher zur Spitze der Schweizer NLA und holten sich 2016 auch einen Meistertitel. Dennoch besitzen die Winterthurer im Derby reellen Siegchancen. Dies lassen allein schon die knappen Resultate der vergangenen Saison vermuten: Alle drei Partien endeten mit bloss einem Tor Differenz, einmal zugunsten von GC, zweimal mit dem besseren Ende für den HCR. Diese knappen Ergebnisse liegen zum einen an der besonderen, Kräfte frei machenden Rivalität der Kantonsrivalen. Zum anderen aber auch daran, dass der HCR in den letzten Jahren erhebliche spielerische Fortschritte erzielen konnte und sukzessive Boden auf die nationale Spitze gut gemacht hat.

Diese Entwicklung gegen GC zu bestätigen, ist das vorrangige Ziel von Rychenbergs Trainer Philipp Krebs: «Wir gewannen zuletzt gegen Köniz nach Verlängerung, was gut war. Aber es gibt noch Steigerungspotential und dieses wollen wir abrufen. Wir konnten uns vom Wochenende gegen Langnau und Sarnen zu jenem gegen Waldkirch und Köniz steigern und es braucht jetzt sicher eine weitere Steigerung, damit wir auch an diesem Wochenende erfolgreich sein können. Es ist das angestrebte Ziel, den nächsten Schritt zu machen. Es geht darum, konsequent und überzeugend zu spielen. Wir gehen mit dem Ziel in dieses Derby, weiter zu punkten. Sofern wir gut spielen, besitzen wir gute Siegchancen.»

Unerwartete taktische Winkelzüge sind vermutlich keine zu erwarten. Dafür kennen sich die beiden Mannschaften aus zahlreichen Test-, Meisterschafts- und Cupspielen einfach zu gut. Eines dürfte aber klar sein: Gegen das offensiv und besonders mit seinen Kontern brandgefährliche GC dürfte für den HCR die Qualität seiner Abwehrarbeit von zentraler Bedeutung sein. Krebs zieht den Vergleich zum vergangenen Sonntag: «Die sechs Gegentore gegen Köniz waren fraglos an der oberen Grenze. Es geht gegen GC sicher auch darum, dass wir defensiv sehr solide stehen und uns auf diese Stärke verlassen können.» Dabei sollte Krebs auf seinen gesamten Kader zählen können. Die vier Spiele innerhalb von acht Tagen hatten zwar kleine Spuren hinterlassen, es dürften aber wieder alle einsatzbereit sein.

Autor: René Bachmann, Der Landbote

HCR startet schlecht und trifft danach nicht

Das Derby bei den Grasshoppers war für den HC Rychenberg eines jener Spiele, die es möglichst schnell abzuhaken gilt. Nach ersten zwanzig Minuten, in denen das Team von Philipp Krebs keinerlei Zugriff auf das Geschehen gefunden hatte und stimmig 0:2 in Rückstand geraten war, lehnte es sich ab dem Mitteldrittel vehement gegen die drohende Niederlage auf. Nur, es fehlte den Winterthurern in den verbliebenen vierzig Minuten die Genauigkeit im Abschluss, um aus dem vor allem im Mitteldrittel klaren Plus an hochkarätigen Chancen Profit zu schlagen. Einem Torerfolg am nächsten kam noch Topskorer Michel Wöcke bei einem Lattenschuss in der 47. Minute.

Dank den Paraden seines Nationaltorhüters und der offensiven Inkontinenz des Gegners konnte GC die Druckphasen überstehen, seinen bis zur 22. Minute herausgeholten 3:0-Vorsprung erfolgreich verteidigen und in den in den letzten fünf Spielminuten den Sack endgültig zumachen. Zu seinem Glück hielt sich der Schaden dieser Niederlage für den HCR in engen Grenzen. Zwar wurde er in der Tabelle von Zug überholt, doch hat er es dank der Niederlage Langnaus in Thun weiterhin in den eigenen Händen, sich in der letzten Qualifikationsrunde die angestrebte Teilnahme an der Masterround zu sichern.

Ein missratener Start

Eher ungewohnt, aber eine Parallele zu seinem letzten Auswärtsspiel, war, dass der HCR auch in Zürich anfangs erhebliche Schwierigkeiten bekundete, seine Betriebstemperatur zu erreichen. Er startete zu wenig aufsässig, kompakt und konkret und fand darum nicht in die Zweikämpfe. Gleichzeitig gelang offensiv so gut wie nichts Zusammenhängendes. «Wir hatten einen sehr, sehr schlechten Start und waren da überhaupt nicht im Spiel», bemängelte Krebs. «Einerseits kamen wir defensiv überall einen Schritt zu spät, gerade auch bei den offenen Bällen. Andererseits hatten wir in der Auslösung zu wenig Geduld, gingen offensiv zu hektisch zu Werke und standen zu konteranfällig.»

Diese Mängel spielten dem Leader voll in die Karten. GC konnte sich an viel Ballbesitz freuen, was seiner Spielweise entgegenkommt, und fand gelegentlich den Weg vors Rychenberger Tor; ohne dafür allzu grosse Risiken eingehen zu müssen. Die individuelle Klasse der beiden Nationalspieler Joel Rüegger und Christoph Meier sorgten dann bis zur ersten Pause für ein leistungsgerechtes 2:0 der Stadtzürcher und kurz nach Wiederanpfiff für einen Dreitorevorsprung. Dem HCR schienen die Felle davonzuschwimmen, doch verhinderte Torhüter Nicolas Schüpbach, der später auch noch einen Penalty parierte, Schlimmeres.

Etliche Chancen, keine Tore

Krebs hatte in der ersten Pause offensichtlich die richtigen Worte gefunden, denn seine Mannschaft bekam ab dem Mitteldrittel Zugriff auf das Spiel. Mit einer etwas offensiveren Deckung gelang es nun entschieden besser, den Gegner von den gefährlichen Zonen fernzuhalten. Gleichzeitig verstanden es die Winterthurer immer besser, das Spiel der Grasshoppers zu lesen und so frühe Ballgewinne zu provozieren. Als Konsequenz daraus bekam Nationalgoalie Pascal Meier im GC-Tor, der zuvor nahezu beschäftigungslos gewesen war, nun alle Hände voll zu tun.

Der HCR machte nun vieles richtig, nur das Wesentlichste nicht: Das Toreschiessen. Allein im Mitteldrittel erarbeitete er sich 14 brauchbarer bis exzellenter Chancen, reüssierte dabei aber kein einziges Mal. Es mangelte schlicht an der nötigen Akkuratesse im Abschluss. In den Augen des Trainers bedeutete das Auslassen dieser zahlreichen Möglichkeiten die Entscheidung: «Wenn es 0:3 steht, brauchte es viel, um ein solches Spiel zu kehren. Das hätte geschehen können, aber dann hätten wir relativ bald eine Chance nutzen müssen. Hätte es nach zwei Dritteln 1:3 oder 2:3 gestanden, wäre es im letzten Drittel gut möglich gewesen, dass das Spiel auf unsere Seite gekippt wäre. Letztlich scheiterten wir auch an unserem Unvermögen vor dem gegnerischen Tor.»

In der Schlussphase ausgekontert

Weil das überfällige erste Tor einfach nicht fallen wollte, musste der HCR im Verlauf des Schlussdrittels immer stärker öffnen. Das Geschehen wurde zusehends wilder und unkontrollierter, und es gab aufgelegte Möglichkeiten auf beiden Seiten. Doch erst als der HCR in der Endphase alles nach vorne warf, erfuhr das Resultat eine Änderung. Mit drei Kontern erhöhte GC in den letzten fünf Minuten auf 6:0.

Allzu sehr mochte sich Krebs über die (deutliche) erste Niederlage seit dem Neustart nicht ärgern: «Es ist natürlich eine grosse Enttäuschung. Einerseits können wir es uns gegen ein ziemlich starkes GC einfach nicht erlauben, erst die zweiten dreissig Minuten da zu sein. Anderseits sind wir aber auch eine junge Mannschaft in einer anspruchsvollen Saison mit vielen guten anderen Mannschaften. Manchmal hat man aber auch einfach einen schlechten Match und erleidet einen kleinen Rückschlag, um anschliessend den nächsten guten Schritt zu machen.» Hinsichtlich der Resultate wäre dieser nächste Schritt drei Punkten am kommenden Wochenende in Chur, womit das punktgleiche Langnau wahrscheinlich auf Distanz gehalten werden könnte und die Teilnahme an der Masterround Tatsache würde.

Matchtelegramm vs. GC Unihockey

Autor: René Bachmann, Der Landbote

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