HC Rychenberg Winterthur
3:7
SV Wiler-Ersigen
1:21:21:3
13. Februar 2021 / 18:00

Feintuning unter Wettkampfbedingungen

Als sich der HC Rychenberg vor knapp zwei Wochen in Chur anschickte, seinen sechsten Platz in der letzten Qualifikationsrunde zu verteidigen, waren die Anspannung und der Druck mit Händen zu greifen. Die Winterthurer konnten am Ende der sechzig Minuten jubeln, da sie zuerst trotz einiger Widrigkeiten die Geduld bewahrten und die Entscheidung anschliessend mit gesteigerter Durchschlagskraft herbeiführten. Mit diesem fünften Sieg im sechsten Match seit der Wiederaufnahme des Meisterschaftsbetriebes anfangs Januar machten sie nicht nur den missratenen Saisonstart mit den drei Niederlagen vergessen, sondern bescherten sich auch frühzeitig die verdiente Playoffteilnahme.

Eine Steigerung auf mancherlei Ebene

Die Gründe dieser Erfolgsgeschichte sind mannigfaltig. Als erster ist zu erwähnen, dass es der Trainercrew und der Mannschaft gelang, die bestmögliche Antwort auf den nicht kompensierten herben Verlust des finnischen Topskorers Jami Manninen zu geben. Spieler wie Daniel Keller, Ryan Neubauer, Jonas Lutz, Kimmo Oesch und Yannic Fitzi sprangen in die entstandene Bresche, erhielten mehr Spielzeit, übernahmen Verantwortung und traten vermehrt ins Rampenlicht. Der HCR gewann dadurch in der Offensive an Tiefe und war darum selbst dann schwerlich zu bezwingen, wenn die Leistungsträger einen schwächeren Tag einzogen.

Parallel dazu vollbrachte es die Trainercrew um Philipp Krebs, den dreimonatigen Unterbruch der Meisterschaft dazu zu nutzen, das Angriffsspiel zu diversifizieren und so einen nächsten wichtigen Schritt hin zu einer Mannschaft zu machen, die vielseitiger auf neue Konstellationen oder Rückstände zu reagieren vermag. Neben das Angriffsspiel mit einem geordneten und geduldigen Aufbau wurde eine Struktur fürs schnelle Umschalten gestellt. In den sechs Partien seit dem Restart hat sich dieses Konterspiel mehrmals als schnittige Waffe erwiesen. In der bevorstehenden Masterround wird sich zeigen, ob dieses und die hinzugewonnene Breite im Kader auch gegen die anderen Top 6-Mannschaften gewinnbringende Faktoren darstellen werden.

Last but not least verfügt der HCR auch über einen leistungsfördernden Teamgeist. Alle Spieler ziehen am gleichen Strang, auch jene, welche zwar gut trainieren, wie Krebs mehrfach betont, aber zuletzt nicht allzu oft zum Einsatz gelangten. Gut zu erkennen war das funktionierende Kollektiv in Chur, wo die Ersatzspieler viel Energie von der Bank aufs Spielfeld trugen und sich auf diesem Weg als Puzzleteil des Erfolgs herauskristallisierten.

Krebs freut sich an der Entwicklung seiner Mannschaft: «Wir sind uns im Klaren, dass es nur eine Hinrunde war, aber es ist das erste Jahr, dass wir gegen alle Teams hinter uns gewannen und dabei über weite Strecken spielbestimmend waren. Wir setzten uns nicht immer souverän durch. So unterlief uns zum Beispiel gegen Langnau der eine oder andere Fehler. In jenem Spiel spielten wir nicht unbedingt gut, aber wir bestimmten das Geschehen trotzdem. Wir sind noch längst nicht am Ende unserer Reise, aber wir gewannen dominanter als letztes Jahr gegen die Mannschaften hinter uns.» Sportchef Nico Scalvinoni stellt den Beteiligten ein gutes Zeugnis aus: «Die Coronapause tat uns allem Anschein nach sehr gut. Wir nutzten sie sehr gut und mit den vier Siegen ab dem Restart legten wir den Grundstein für die Teilnahme an der Masterround.»

Sowohl Masterround als auch Playoffs im Blick

Für den HCR wird die Zwischenrunde am Samstag mit einem Heimspiel gegen Wiler-Ersigen (ab 18 Uhr in der Axa-Arena) beginnen, ehe tags darauf ein Auswärtsspiel in Zug folgen wird. Die Vorbereitung auf diese beiden Partien beinhaltete ein kurzes Innehalten. Sechs Partien binnen dreier Wochen, inklusive der Vorbereitung darauf, waren ein äusserst intensives und anstrengendes, von grossem Druck begleitetes Programm gewesen; angesichts der aufzuholenden Punkte gerade auch mental. Deshalb schaltete Krebs im Training für eine Woche einen Gang zurück: «Wir brauchten einfach eine kurze Verschnaufpause. Diese führt vielleicht dazu, dass die Qualität für ein, zwei Wochen etwas geringer sein wird. Wir nehmen dies aber billigend in Kauf, um danach wieder mit vollen Batterien herauffahren zu können.»

An den Zielen für die fünf Spielen der Masterround ändert dies nichts. Zum einen gilt es, sich möglichst gut für die Playoffs vorzubereiten. Zum anderen gäben sie nicht damit zufrieden, Sechster zu sein: «In der Qualifikation verloren wir gegen die uns nun bevorstehenden Gegner teilweise nur knapp», erklärt Krebs. «Da haben wir schon den Ehrgeiz, nochmals einen Schritt vorwärts machen und in der Masterround ein, zwei, drei, vier oder fünf Siege erreichen zu können. Parallel dazu wollen wir an unserem Spiel arbeiten, damit wir für die anschliessenden Playoffs bereit sein werden.»

Voraussetzung für beides ist, dass die bisherigen Fortschritte bestätigt und möglichst ausgedehnt und gleichzeitig die noch bestehenden Mängel aus dem Weg geräumt werden können. Vor allem das Powerplay bereitete in der Qualifikation einiges an Kopfzerbrechen, und auch das Prunkstück der letzten Saison, die Aggressivität, Kompaktheit und Stabilität der Defensive, verdient erhöhte Aufmerksamkeit. Ebenso sollten die Konstanz in der Treffsicherheit sowie die Resilienz in Druckphasen des Gegners noch weiter verbessert werden.

Scalvinoni sieht die Fallstricke, ist aber sicher, dass sich das Team auf dem richtigen Weg befindet: «Die Tücke der Masterround besteht darin, dass man, im dümmsten Fall, mit fünf Niederlagen in die Playoffs startet. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich unser Team von Spiel zu Spiel steigern wird. Für die Leistungskurve ist es von grosser Bedeutung, dass wir gegen die Topteams der Liga antreten können und jedes Mal an unsere Grenzen gehen müssen.» Am Wochenende wird es die ersten Antworten geben.

Autor: René Bachmann, Der Landbote

Leistungen besser als die Punkteausbeute

Auch nach dem Abgang Jami Manninens ist der HC Rychenberg eine aufstrebende Mannschaft des gehobenen Mittelfeldes. Das heisst, dass er an einem guten Tag jeden Gegner schlagen kann, bei einer weniger überzeugenden Leistung freilich seinerseits gegen schwächere Mühe bekunden kann. Ersteres wäre am Samstag im Heimspiel gegen Wiler nötig gewesen, was nur zeitweilig gelang und in eine (zu deutliche) 3:7-Niederlage mündete.

War das Verdikt gegen die Berner noch ziemlich gut zu verdauen, weil die eigene Leistung einfach zu viele Dellen aufwies, war es für die Winterthurer richtig ärgerlich, tags darauf auch in Zug den Kürzeren zu ziehen. Sie waren während fast der ganzen Spielzeit das aktivere, das überlegene Team. Drei Gegentore binnen 53 rabenschwarzer Sekunden im Mitteldrittel kosteten in der Endabrechnung jedoch den Erfolg. «Zu dieser Zusammenfassung gibt es nicht viel hinzuzufügen», gab Krebs zu Protokoll. «Eigentlich gar nichts.» Durch diese zweite Niederlagen sind die Chancen auf das Heimrecht im Playoff-Viertelfinal auf ein Minimum gesunken.

Ein Gegentor zur Unzeit

Gegen Wiler startete der HCR überlegt und unaufgeregt und liess sich im Spielaufbau nicht von der aufsässigen Störarbeit ins Bockshorn jagen, derer sich vor allem die prominent besetzte erste Linie der Gäste befleissigte. Es war fraglos korrekt, dass der HCR nach drei Minuten durch Noah Püntener in Führung ging. Und er hätte diese bis zur ersten Pause ausbauen können, da er sich mehr aufgelegte Torchancen erspielte als die Gäste. Er liess aber die gegen Gegner dieses Kalibers unabdingbare Effizienz vermissen.

Krebs schwankte zwischen Freude und Ärger: «Wir zeigten ein spielerisch gutes erstes Drittel. Nie, nie hätten wir danach 1:2 in Rückstand liegen dürfen.» Der HCR arbeitete gut gegen den Ball, sodass Wiler erhebliche Schwierigkeiten bekundete, sich  im Angriff Nennenswertes zu erarbeiten. Was es dennoch mit einem 2:1-Vorsprung in die erste Pause gehen liess, war neben der zu geringen Torproduktion des Gegners auch eine Portion Wettkampfglück: Ein erster missratener Schuss wurde via Bande zur optimalen Vorlage, ein zweiter von einem Mitspieler ungewollt ins Tor gelenkt.

Die Führung verdienten sich die Berner nachträglich. Im Mitteldrittel traten sie so dominant auf, wie sie es sich wohl von Beginn an ausgerechnet hatten. Freilich, und da wären wir bei der ewigen Frage nach dem Huhn und dem Ei, zogen die Winterthurer auch ein mattes zweites Drittel ein. Geduld, Mut und Inspiration waren vorübergehend nicht mehr zu sehen, was sich in einer Vielzahl leicht hergegebener Bälle und seltenem Ballbesitz niederschlug. «Wir waren aber auch ohne Ball zu passiv», monierte Krebs. Beides zusammen zog zwischenzeitlich einen – nunmehr gerechtfertigten – Dreitorerückstand nach sich. Es offenbarte sich in dieser Phase wieder einmal, dass das junge HCR-Team in seinem Schaffen noch nicht so gefestigt ist, wie erhofft.

Unihockey wäre allerdings nicht Unihockey, wenn damit die Entscheidung gefallen gewesen wäre. Krebs brachte gleich eine ganze Linie an frischen Kräften, woraufhin seine Mannschaft wieder mutiger und kreativer zu Werke ging und bis zur 47. Minute zurecht auf 3:4 verkürzte. Doch die Freude währte bloss 15 Sekunden. Statt sich bei der Suche nach dem Ausgleich Zeit zu lassen, die ja auch noch üppig vorhanden gewesen wäre, ging der HCR zu überhastet in ein Forechecking und wurde dafür unverzüglich mit einem Kontertor bestraft. Es war der Genickschlag, der die Partie entschied. «Wäre uns dieser Fehler nicht (erneut) unterlaufen», mutmasste Krebs, «hätte es womöglich zu Punkten gereicht, trotz nur zwei soliden Dritteln. Klar ist aber, dass es drei davon braucht. Abhaken, morgen geht es weiter, aber wir müssen dort zwei Stufen hinauffahren.»

Sehr viel Aufwand, nur ein Punkt Ertrag

In Zug übernahm der HCR nach einem fünfminütigen gegenseitigen Abtasten das Zepter. Er bewies viel Geduld im Spielaufbau, um dann im geeigneten Moment in den Angriffsmodus umzuschalten. Daraus ergaben sich bereits im Startdrittel ausreichend viele brauchbare bis aufgelegte Möglichkeiten, um nach zwanzig Minuten eine erste Zäsur herbeigeführt haben zu können. Moritz Schaubs 1:0 in der zehnten Minute war zu wenig Ertrag für die erheblichen Anstrengungen. Dazu gehörte auch, dass die Winterthurer in dieser Phase und, von Ausnahmen abgesehen, auch später die meisten Konter des Heimteams rechtzeitig zu unterbinden verstand.

Auch im zweiten Abschnitt hielten die Winterthurer die Kontrolle fest in ihren Händen. Umso überraschender war der Ausgleich der Innerschweizer kurz vor Spielhälfte. Und nicht zum ersten Mal in dieser Saison liess sich der HCR davon irritieren. Statt gelassen weiterzuspielen, musste er innert 53 Sekunden noch zwei weitere Gegentore konzedieren. Das Spielgeschehen war auf den Kopf gestellt.

«Es beruht in den seltensten Fällen auf dem Zufall oder der Qualität des Gegners», kommentierte Krebs diesen Einbruch, «sondern wir sind es, die in den Einsätzen nach diesen Toren zu viel wollen. Das ist brutal mühsam und etwas, was wir definitiv abstellen müssen.» Hoch anzurechnen ist seiner Mannschaft, dass sie nach dem nötig gewordenen Time-out wieder in die Spur zurückfand und den Rückstand bis zur 32. Minute wettmachte. Und auch als Zug im Schlussdrittel ein weiteres Mal in Front ging, fand der HCR den Weg zurück. Freilich wäre wesentlich mehr als der Ausgleich möglich gewesen. Zug wurde zeitweilig richtiggehend erdrückt und es wurden ausreichend viele Torchancen erarbeitet, um die Entscheidung in der regulären Spielzeit herbeiführen zu können.

«Wir spielten teilweise etwas weit weg von unserem Niveau, etwas unterschiedlich von Linie zu Linie», fasste Krebs den Auftritt zusammen. «Als Mannschaft haben wir da noch viel Steigerungspotential. Und trotzdem war die Leistung relativ gut, deutlich besser jedenfalls als gegen Wiler. Offensiv war es eines unserer besseren Spiele in dieser Saison. Das stimmt positiv.» Weniger erfreulich war, dass dann in der Verlängerung Captain Nils Conrad seinen Stock aus den Händen verlor, in der Folge davon durch eine Einzelaktion auch noch der Bonuspunkt verloren ging und der HCR somit nicht auf dem fünften Platz vorrückte.

Matchtelegramm vs. SV Wiler-Ersigen

Matchtelegramm vs. Zug United

Autor: René Bachmann, Der Landbote

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